Wolfgang
Feilers Weinkolumne

Folge VI: Der wohltemperierte Wein.
Sie ist so
wichtig, so lebensnotwendig wie gleichermaßen das richtige
Glas, der Sauerstoff, auch der Rahmen: die Idealtemperatur unseres
Lieblingsgetränks.
Stimmt sie überhaupt nicht, werden Weißweine zu
Zwergen oder plump-opulent, die Roten breit oder hart. Und das hat doch
kein Wein verdient.
Das Wichtigste ist, die Temperatur konstant zu halten. Doch da kommen
schon die Angriffe von außen:
Raclette-Gerät, Fonduetopf, die aufgewärmten
Gläser (Raum- und Körpertemperatur), der laue
Sommerabend. Man sieht schon, im Wesentlichen geht es um das Halten von
Temperatur im unteren Bereich.
Doch gerade dort bieten sich viele Hilfen an. Bei den
Weißweinen, die gerade den Kühlschrank verlassen
durften, ist zunächst keine Unruhe angesagt. Jedoch kann man
die Temperatur gut und länger mit ca. 10 Minuten lang
gewässerten Terrakotta-Gefäßen (rau, nicht
glasiert!) in zylindrischer Form konstant bewahren.
Auch Manschetten mit Kühlgel, die zuvor im Eisfach
schlummerten, erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Die mit
"Stoff- und Stretchmantel" geben nicht so spontan die Kühle an
die Flasche weiter, doch halten sie über längere Zeit
konstante Temperatur.
Ähnliche Produkte mit glatten Oberflächen
kühlen schneller, machen dann aber ebenso schnell schlapp. Man
kann die Weißweinflasche natürlich auch kurz ins
Gefrierfach legen - doch Vorsicht: den guten Weinen, den roten allemal
können solche Schocktherapien schaden.
Die Geschichte mit dem Eiskwürfelkübel, wie wir sie
oft in Italien erlebt haben, hat in Verbindung zur gespielten Grandezza
der Kellner, die leider oft nichts von der Materie verstehen, eher nur
Show-Effekt. Wenn hohe Aussentemperaturen herrschen, mag diese Art alle
Schaumweine, die man kälter geniessen kann, bei
Temperaturlaune halten.
Ein Weißwein wird dann einfach nur kalt erscheinen und -
falls er hat, etwas Säure oder Süße zeigen,
die Aromen jedoch haben sich im Eiskeller schlafen gelegt.
Daher hier einige Zirka-Angaben zu den Idealtemperaturen
unterschiedlicher Weißweine.
Sekt, Champagner, Prosecco frizzante ca. 7 - 8 °C
leichte Weißweine 8-10° C
kräftige Weißweine 9-12 °C
gehaltvolle Weißweine 11-13 °C
Und die Rosés?
Die fruchtbetonten, eventuell mit feiner Restsüße
lieber kühler, ca. 8-10 °C, die wirklich trockenen
eher 10-12 °C.
Bei einem Sommerfest kann man alle Weine lieber etwas stärker
kühlen, denn wenn sie wohl zwangsläufig ins
wärmere Glas kommen und noch ein Schwätzchen
überstehen müssen, haben sie bereits ihre
Solltemperatur. Zügig zu trinken wird empfohlen ;-)
Bleiben wir gleich beim Sommerfest und den für solche
Anlässe beliebten Rotweinen, den frisch-fruchtigen,
tanninarmen wie roter Portugieser, Sancerre rouge, Germoglio
(Sangiovese) u.ä.
Diese schmecken aufgrund ihrer Eigenart bei 14 °C am besten.
Auch unser beliebter Montepulciano rosso von Frentana eignet sich sehr
gut als roter "Terrassenwein" mit leichter Kühlung.
Bei Spätburgundern (Pinot noir, nero etc.) liegen Sie bei 16
°C richtig (nicht wärmer werden lassen) und nur die
gehaltvollen, körperreichen auch im Barriquefass ausgebauten
Rotweine entwickeln ihre ganze Aromenpracht erst bei ca. 18 °C.
Lassen Sie aber auch diese auf keinen Fall wärmer als 20
°C werden, denn dann verlieren auch die besten Weine ihren
Charakter, ihre Feinheit und erscheinen am Ende möglicherweise
alle gleich (breit).
Hier noch ein paar Tipps:
* Verwenden Sie dünnwandige Gläser mit
möglichst langen
Stielen. Das verhindert den Einfluss von Wärme der Hand.
* Halten Sie im Kühlfach mehrere, vielleicht auch
unterschiedliche Kühlmanschetten bereit. Stellen Sie
rechtzeitig Weißwein-Nachschub in den Kühlschrank,
der arme hat ja auch viel Arbeit.
* Direkt aus dem Kühlschrank mit ca. 6 °C ist
für die meisten Weißweine zu kalt. So auch hier
wieder etwas Geduld.
* Platzieren Sie die vorgesehenen Rotweine in einem kühleren
Raum
in Bodennähe, dann haben sie später keine hohe
Differenz
zwischen Ist- und Solltemperatur zu überbrücken.
* Da Sie die gehaltvolleren Roten sowieso vorher öffnen,
vielleicht sogar dekantieren wollen, können Sie die Temparatur
mit einem Weinthermometer kontrollieren. Auch kurz vor dem Servieren
prüfen Sie dann noch einmal. Vor Ihren Gästen
fuchteln Sie mit dem Thermometer lieber nicht herum, das sähe
dann eher unprofessionell aus.
* Wenn's dann doch mal sein muss: eine Flasche Weißwein im
Eiswasser kühlt innerhalb von etwa 7 Minuten von 18 auf 12
°C ab.
Und die Lager-Temperatur?
Idealerweise liegt sie bei 11 °C, maximal bis 18 °C.
Grundsätzlich gilt: lieber etwas höher innerhalb des
genannten Bereichs, jedoch dann gleichbleibend. Ebenso: starke
Schwankungen und zu hohe Lagertemperatur lassen den Wein schneller
altern.
Auch ein Weißwein, der über Monate im
Kühlschrank "überwintert", wird ermüden,
schneller altern.
Optimal ist natürlich ein ungeheizter Kellerraum ohne Estrich
-
der Boden offen, z.B. nur mit Ziegelsteinen ausgelegt. Eine
Alternative, kostspielig in jeder Hinsicht, bieten die verschiedenen
Weinklimaschränke von EuroCave und Liebherr.
Beachten Sie ein paar Klima-Grundregeln, und Sie werden mit Ihren
Weinen bestimmt keine Krise bekommen.
Wolfgang Feiler
© 2009
Wolfgang Feiler.

Folge V: Das Tannin - Singular wie
Plural.
...
und es steckt noch viel mehr dahinter.
Tannin, auch Gerbstoff oder Gallusgerbsäure genannt, ist eine
geruchlose phenolische Verbindung.
Sie kommt in vielen Pflanzen und deren Bestandteilen
vor, ganz stark z.B. im Holz, Früchten und Blättern
von Eichen, Kastanien und Nussbäumen und - für uns
interessant: im Wein.
Das kann man sogar so schön pauschal behaupten,
denn Tannin steckt in Blättern, Stielen und Rappen,
in den Kernen und bei den roten Trauben in den Beerenhäuten.
Es verkrümelt sich im Holz der kleinen
Barriquefässer und ist gerade bei dieser Kombination im
"flüssigen Ergebnis" noch lange präsent.
Welche Wirkung kann Tannin auf die
Weinfreunde haben?
Es zieht Ihnen die Mundschleimhäute zusammen und sie
verwerfen somit einen eigentlich guten Wein, den sie
wahrscheinlich nur zu jung geöffnet haben.
Es lässt sie das Gesicht verziehen, wenn sie einen
Weißwein
probieren, der Ihnen hart und bitter, "grün" vorkommt.
Es lässt Freude bis Glückseligkeit aufkommen, wenn
bei
einem gereiften Rotwein die Harmonie stimmt zwischen
dem noch vorhanden Tannin, der großen fruchtigen Tiefe
und der Fülle der möglichen Sekundäraromen.
Wir sehen - im Weißwein sind Tannine (auch eine
mögliche Mehrzahl) unerwünscht. In den Trauben ist
davon ohnehin nicht viel, sondern in den Stielen und Rappen.
Bei schonender Verarbeitung der Trauben treten sie
nicht in Erscheinung.
Ganz anders bei den Roten. Der Gehalt an Tannin ist
zunächst abhängig von der Rebsorte. Haben
Cabernet-Sauvignon,
Syrah, Nebbiolo, Sangiovese und andere einen höheren Gehalt
an Tannin, so ist es bei Pinot Noir (Spätburgunder)
vergleichsweise
gering.
Die Qualität der Tannine hängt vom Reifegrad der
Trauben ab,
jedoch unabhängig von ihrem Mostgewicht. Auch spielt die
Maischestandzeit eine große Rolle.
Der nächste Tanninschub kann bei entsprechendem Ausbau von
den kleinen Barriques kommen, vor allem wenn es sich um neue
Fässer handelt. Der Alkohol löst das Tannin aus
Beerenhäuten
und aus dem Eichenholz.
Und genau das ist ja so sehr erwünscht, denn im
Wein gelöstes Tannin bindet schnell Sauerstoff, verhindert
damit eine frühzeitige Oxidation und macht Rotweine
altersbeständig.
Da man nicht alles auf einem Mal erwarten darf, braucht
man bei einem Rotwein, der aus einer schon tanninhaltigen
Rebsorte dazu noch in neuen Barriques ausgebaut wurde
viel Geduld. Viele bordelaiser Weine, aber auch Barolos
müssen erst einmal Tannin im Laufe der Flaschenreife langsam
abbauen, bevor sie zugänglich sind.
Zu früh genossen, werden die Gewächse, aber auch
einfachere
mit Sicherheit "adstringieren", d. h. es entsteht ein pelziges
Gefühl im Mund. Und das macht keinen Spaß.
Ein bisschen darf es schon sein, denn das Tannin ist ja
auch das berühmte Rückgrat des Weines, und auch wenn
es noch etwas zu aufdringlich sein mag, kann man doch gut
erahnen, welche Entwicklung der Wein noch vor sich hat.
Irgendwann wird auch der tanninhaltigste Wein von den
Gerbstoffen verlassen. Dann wird der Zeitraum der höchsten
Genussreife überschritten sein und der Wein wird belanglos,
allenfalls noch etwas fruchtig sein.
Um solche Enttäuschungen zu vermeiden, lege man sich eine
Mehrzahl einer Sorte in den Keller. Und dann kommt der Spaß
auf:
hin und wieder eine Flasche davon öffnen, Freunde teilhaben
lassen,
Notizen machen und diese für das nächste Mal gut
aufheben.
Das Tannin prägt unsere Rotweine und ebnet ihnen den Weg zu
einem ganz besonderen Merkmal: ihrem starken Charakter!
Wolfgang Feiler
© 2009
Wolfgang Feiler.

Folge IV: Zur Pflege von
Dekantiergefäßen.
Wie
versprochen erhalten Sie heute einige Tipps zur Pflege von
Dekantiergefäßen.
Gleich vorweg noch einmal eine
Begriffserläuterung - eigentlich
eine Richtigstellung.
Der Ausdruck Dekantieren wird auch und im reinen Wortsinn bei
chemischen Verfahren verwendet und sagt nichts anderes als Trennen.
Somit wäre dieser Begriff richtig angewendet beim Trennen
eines alten Weines von seinem Depot.
Weitaus häufiger jedoch wird das Umfüllen von Weinen
zum Zweck der Belüftung
und damit zur Freisetzung von bis dahin verschlossenen Aromen in
bauchige
Gefäße praktiziert und fälschlicherweise
als Dekantieren bezeichnet.
Die gesamte Weinfachwelt spricht dennoch von Dekantern und vom
Dekantieren,
also bleiben auch wir dabei in dem Bewusstsein, mal wieder ein bisschen
schlauer zu sein als andere!
Egal nun, ob Sie eine schmale Karaffe oder ein bauchiges
Glasgefäß nach dem
Weingenuss zu reinigen haben - verwenden sie bitte eine
Bürste, wie sie auf
Weihnachtsmärkten und auch im Internet angeboten wird: am
Bürstendraht
abgewinkelt und am vorderen Teil mit einem Baumwollschopf versehen.
Damit wird ein mikroskopisch-feines Aufrauen der Glasinnenwand
vermieden,
wo sich anderenfalls nach einiger Zeit unerwünschte
Kalkablagerungen bilden
würden.
Schwenken Sie das Gefäß in jedem Fall nach dem
Reinigen mehrmals mit klarem
Wasser aus und stellen es kopfüber leicht schräg am
besten auf einen Dekanter-Trockenständer.
Noch bevor die letzte Wasserfeuchte trocknet, empfiehlt sich eine
letzte Spülung
mit ca. 3-4 cl eines klaren Obstbrandes oder eines einfachen Grappas.
Wiederum kopfüber zum endgültigen Trocknen abstellen.
So können keine
Kalkablagerungen entstehen.
Sollten sich doch Kalkschlieren zeigen, lassen Sie einfach 2-3
Gebissreiniger-Tabs
bei voller Wasserfüllung des Gefäßes
über längere Zeit einwirken und verfahren dann wie
oben beschrieben.
Auch hat sich eine Behandlung mit etwas aufgelöstem Backpulver
bewährt.
Wie immer kommt es auf Versuche an. Der schönste Versuch
besteht ohne
Frage darin, einen guten Rotwein einzufüllen, auf dass er die
Luft schnaufen kann,
die er benötigt, um Ihnen und anderen noch mehr Freude zu
bereiten.
Nächsten Monat hier
In Kürze werden wir uns ausgiebig um die Tannine
kümmern.
Wolfgang Feiler
© 2009
Wolfgang Feiler.

Folge III: Der Wein und seine Luft
(II).
Bleiben
wir erst einmal noch bei den Roten.
Mittlerweile gibt es im Fachhandel auch Ausgießer, die im
Inneren
eine kleine Edelstahlkugel beherbergen, über die der
auszugießende Wein läuft, vielmehr bewegt und damit
belüftet wird. Siehe auch "Ball Pourer 2"
aus unserem Angebot "Accessoires".
Das kann keinen Dekanter ersetzen, in dem der Wein über
längere Zeit "Luft holen" kann.
Aber immerhin - es bringt schon etwas.
Rein gar nichts bringt das
bloße Öffnen der Flasche
- die berühmte Stunde vor dem Genuss. Bei mal gerade zwei
Quadratzentimetern Oberfläche hat der Wein keine Chance, sich
mit
der Luft anzufreunden.
Gießen Sie den Wein lieber (nach dem ersten Probeschluck) in
große dünnwandige
Gläser, die sich nach oben verjüngen sollten. Die
maximale Füllhöhe markiert die breiteste
Stelle des Kelches, also max. 1/3, lieber weniger.
Geben Sie sich und dem Wein etwas Zeit
und damit eine gute Chance. Und achten Sie auf konstante Temperatur. Er
wird sich öffnen können und sich bei Ihnen mit Aromen
bedanken.
Dieses Prozedere muss man nicht einem Tafelwein o.ä. zu teil
werden lassen, doch selbst
ein einfacher (junger) Wein kann durchaus gewinnen, wenn die Flasche
nach 1-3 Tagen halbgeleert wieder geöffnet wird.
Wenn man solche (Rot)Weine kühl stellt, mit einer Vacu-Vin-Pumpe
etwas Luft abzieht
und wieder richtig temperiert nach z.B. 2 Tagen die Luft mit einem Mal
wieder hereinlässt,
wird sich das positiv bemerkbar machen.
Gereifte, auch mittelalte Barriqueweine
vertragen dieses Prozedere nach unserer Erfahrung nicht gut.
Schnell stellen sich Beitöne ein, die der Wein beim ersten
Öffnen nicht hatte.
Tipp: Barriqueweine sehr wohl reichlich belüften, jedoch am
gleichen Tag noch gnadenlos
austrinken ;-)
Wichtig: schwenken Sie Ihre Rot- und
auch Weißweine kräftig im Glas
(nicht jede Glasform eignet sich dafür), damit spontan
Sauerstoff zugeführt werden kann, vor allem über die
Fläche der Glaswandung.
Und was ist mit den Weißen?
Auch sie benötigen Luft. Die Wirkung macht sich je nach
Rebsorte
und Ausbaustil unterschiedlich bemerkbar. Wenn Sie Ihren
Weißwein
erschnuppern wollen, darf er keinesfalls zu kalt sein.
Mehr zur Idealtemperatur in einer späteren "Weinlese".
Einen Weißwein zu dekantieren, ist nicht notwendig;
allenfalls sehr gehaltvolle, vielleicht auch
barrique-ausgebaute Weißweine. Ein Versuch gibt Aufschluss.
Weißweine kann man in hohe
schlanke Karaffen umfüllen, um einen dekorativen Touch
herbeizuführen.
Viele Flaschen haben doch eine so schöne und interessante
Ausstattung in Glasfarbe und Etikett, dass man sie allein deshalb gerne
auf stilvoll ausgestatteter Tafel sieht.
Außerdem geht es um Kühlung, bzw. das Halten der
optimalen Temperatur. Und da ist
eine Flasche einfach besser für die unterschiedlichen
Maßnahmen geeignet.
Nächsten Monat hier
In Kürze finden Sie hier alle Tipps zu Pflege und Reinigung
von Dekantiergefäßen.
Wolfgang Feiler
© 2008
Wolfgang Feiler.

Folge II: Der Wein und seine Luft (I).
Gleich vorweg -
gemeint sein kann nur die Luft, die Sie Ihrem Wein geben
können. Noch besser: der Sauerstoffanteil in der Luft, denn
der entlockt unseren Lieblingen das, was in ihnen steckt - die Aromen.
Klar, dass sich beim Degustieren von Wein nicht alles um die Aromen
dreht,
doch spielen gerade diese eine ganz wesentliche Rolle neben
Säure, Süße, Tannin, Extrakt.
Luftsauerstoff kann die Weine enorm verändern - sehr positiv
viele, negativ
auf Dauer alle.
Wie Sie negative Einflüsse des Luftsauerstoffes verhindern,
wie Sie Ihre Weine möglichst optimal konservieren
können, erfahren Sie hier im Januar 2009.
Heute wollen wir uns mit den positiven Auswirkungen
beschäftigen.
Warum sollten Weine überhaupt
belüftet werden?
Durch den Kontakt mit Luftsauerstoff, möglichst
großflächiger Art, entfalten
sich im Wein enthaltene (und zunächst verborgene) Aromen.
Verschlossene
Weine öffnen sich, werden gerundet, harmonisiert. Das geht
jedoch kaum in Sekundenschnelle.
Etwas Geduld muss sein.
Dann werden auch unangenehm empfundene Beitöne im Bouquet
vornehmlich
junger Rotweine entlüftet. Selbst leichte Korkschmecker kann
man versuchen,
durch Dekantieren zu "verscheuchen".
Was bedeutet Dekantieren?
Früher wurde damit vorrangig das Umfüllen eines alten
Weines mit Depot (Trub)
verstanden. Dabei wird der Wein vorsichtig und am besten bereits im
Keller
langsam in einen schmalen Dekanter, eher Karaffe umgefüllt.
Das Depot bleibt
in der Flasche oder wird von einem feinen Sieb zurückgehalten.
Je älter diese ehrwürdigen Gewächse sind,
Trinkbarkeit vorausgesetzt, desto
weniger lange und intensiv sollten sie dem Luftsauerstoff ausgesetzt
sein.
Ein gut dosierter Anteil ist goldrichtig. Ein Zuviel der "Frischluft"
kann solche Oldies ermüden lassen und das Bouquet in
Kürze stark verändern.
Und die anderen Weine?
Sprechen wir erst einmal von den Roten. Die jungen, die tanninreichen
und auch
die schon gut gereiften Rotweine gewinnen durch intensive Luftzufuhr
ganz enorm, natürlich auch je nach Rebsorte und Ausbaustil.
Ein Barolo oder Chianti Classico Riserva z.B., eine Gran Reserva aus
Spanien
und alle Bordeaux, die jetzt dem Höhepunkt ihrer Trinkreife
zusteuern, werden
durch das Umfüllen in einen flachen Dekanter mit
großer Glasfläche viel dazugewinnen (siehe auch
unser Angebot in den Rubriken Schatzkiste
und Accessoires).
Wie wird der Wein in den Dekanter
gefüllt?
Nach dem vorsichtigen Öffnen der Flasche und der
Kork-riech-Probe kann
man den Wein ohne Hilfsmittel in das Dekantiergefäß
einfüllen. Durch Kontakt mit der Glasoberfläche
erhält er schon viel Sauerstoff. Ein Übriges
übernimmt die große Wein-Oberfläche im
Dekanter.
Darüberhinaus kann man den Wein durch spezielle Trichter
einfüllen oder
z.B. über die "Sphera"-Kugel
einlaufen lassen.
Wie man den Wein auch ohne Dekantierhilfen gut belüften kann
und ob Dekantieren von Weißweinen ein Sinn hat, erfahren Sie
in Kürze an dieser Stelle!
Wolfgang Feiler
© 2008
Wolfgang Feiler.

Folge I: Was im Wein so alles
enthalten ist (und sein kann).
Eine
kleine Übersicht über wesentliche Inhaltsstoffe, ohne
Anspruch auf Vollständigkeit.
Man staunt nicht schlecht, wenn man erfährt, dass Wein zum
allergrößten Teil
aus Wasser und Alkohol besteht. Kaum zu glauben, was nach dem
Verdampfen
dieser beiden Herrschaften übrig bleibt und sich Extrakt
nennen darf.
Es vereinigt sich vieles in dieser kleinen Schatzkammer: Zucker,
Säure(n),
Glycerin, in geringem Maße auch Phenole, Pektine, Proteine
und Mineralstoffe - alles sogenannte nicht-flüchtige
Bestandteile.
Trubstoffe können auftreten, wenn der Wein nur wenig oder auch
wenig fein filtriert wurde. Allerdings bleiben bei zu feiner Filtration
auch viele erwünschte
Inhaltsstoffe auf der Strecke, die einer weiteren Verfeinerung des
Weines
durch die Flaschenreife dienen und ihm so Aroma und Charakter geben
könnten.
Auch bei alten und sehr alten Tropfen treten Trubstoffe auf. Da sie ja
nur die
Optik beeinträchtigen, dekantiert man diese Weine sehr
vorsichtig in engere
Karaffen, nicht in bauchige. Der größte Anteil des
Satzes verbleibt damit in der Flasche. Zum Dekantieren mehr im
Dezember-Newsletter.
Das Auftreten von Trübungen in jüngeren Weinen ist
meistens ein Hinweis
auf einen fehlerhaften Wein unterschiedlicher Ursachen, den Sie
selbstver-
ständlich reklamieren sollten.
Weinstein ist eine kristalline Ausscheidung der Weinsäure. Es
handelt sich um
Kaliumhydrogentartrat, das wie feine Glassplitter erscheint, bei den
Weissweinen
am Flaschenboden, bei den Roten eher am Korken abgesetzt.
Keine Sorge bitte - Weinstein ist gesundheitlich unbedenklich. Er
entsteht durch bestimmte Kombination von Säure und
Lagertemperatur bereits beim Winzer.
Vorsichtiges Eingießen lässt den Weinstein in der
Flasche zurück. Da soll er auch getrost bleiben, denn ein
Qualitätsmerkmal für den Wein ist er wirklich nicht,
eben nur naturbedingt.
Woher bekommt der Wein seine Farbe?
Natürlich vom Most und seinen Vorfahren, den Trauben mit ihren
auch in der Farbe
feinen Nuancen. Bei den Rosés wird es dann schon deutlicher,
und die Roten beziehen
ihren Farbstoff aus den Beerenhäuten, je nach Sorte und
Verbleib auf der Maische.
Ach ja, und dann die Sulfite! Ein Reichtum an
Missverständnissen, vor allem seit dem
25. November 2005. Denn ab diesem Tag schreibt das EU-Recht eine
Deklarationspflicht
für Weine vor. Praktisch haben alle Weine geringe Spuren von
Sulfiten, auch ohne dass ihnen schweflige Säure zugesetzt
wurde. Das geschieht meistens in verschiedenen Phasen der Weinbereitung
und dient der Haltbarkeit.
Der so entstandene gebundene Schwefel ist geruchsneutral und hat
keinerlei gesund-
heitsschädlichen Einfluss auf die Weintrinker. Die Mengen der
schwefligen Säure sind sehr gering, und Grenzwerte gibt es
schon lange vor 2005. Wenn Sie also eine Flasche
mit europäischem Wein vom Jahrgang 2004 oder älter in
der Hand haben, denken Sie sich den Zusatz "enthält Sulfite"
einfach dazu.
Und sollte Ihnen ein Weinliebhaber von einem schweren Kopf am
nächsten Morgen berichten und auf den Schwefel
zurückführen wollen, so habe ich schlüssige
Antworten
für Sie parat:
* der Wein hatte zuviel Restsüße (also wenig trocken
bis sehr lieblich)
* der Alkoholgehalt war hoch
* es war wohl ein Fläschle zuviel (des Guten).
Sehen kann man sie nicht, beim Verkosten im Mundraum jedoch
können sie sich sehr wichtig machen: die
vielgerühmten Tannine.
Darüber an anderer Stelle ausführlich mehr.
Wolfgang Feiler
© 2008
Wolfgang Feiler.
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